Sexualisierte Gewalterfahrungen

 

Sexualisierte Gewalt im Laufe eines Lebens hat viele Gesichter und kann Frauen in der Kindheit, als Heranwachsende oder in der Partnerschaft treffen. Hinzu kommt, dass diese Generation  im Krieg und der Nachkriegszeiten in großer Zahl mit sexualisierter Gewalt konfrontiert worden ist.

Die Betroffenen haben in der Regel nicht über ihre traumatischen Erlebnisse geredet zudem gibt es ein starkes gesellschaftliches Tabu. Frauen mussten Überlebensstrategien entwickeln, die es ihnen viele Jahre ermöglichten mit dem traumatischen Erlebnis zu leben. Aufgrund schwindender Kräfte oder das Erleben von Hilflosigkeit oder Fremdbestimmung im Alter z.B. durch Pflegesituationen oder Krankheit können diese Erlebnisse dann an die Oberfläche treten. Das Fazit der Veranstaltung war; Schweigen heilt nicht alle Wunden.

Es ist ein Thema, das wenig erforscht ist, aber Schätzungen gehen davon aus, dass 2/3 der Frauen über 65 im Krieg, der Nachkriegszeit oder im ihrem späteren Leben traumatische Lebenserfahrungen gemacht haben. Im Winter 1944 / 1945 wurden 2 Millionen Frauen und Mädchen vergewaltigt. Zusätzlich wurden Mädchen und Frauen Zeuginnen dieser Gewalthandlungen. Auch die Zeuginnenschaft traumatischer Ereignisse kann eine Traumatisierung in gleicher Stärke hervorrufen. Es ist also ein erheblicher Teil Frauen betroffen.

 

Aber was kann getan werden:

Wichtig ist es, die Möglichkeit eines Traumas durch sexualisierte Gewalt bei älteren Frauen mit zu denken.  Durch zuhören, Zusammenhänge erkennen und Verständnis zeigen kann eine erneute Traumatisierung verhindert werden. Keine Unterstützung zu erhalten verstärkt traumatische Gefühle. Nicht das Alter ist für eine Bearbeitung interessant, sondern das Alter der Symptome.

Aufgaben sind:

  • Betroffene, Angehörige und Pflegende zu entlasten
  • Fachkräfte und Pflegende schulen
  • Öffentlichkeit und Lobby schaffen
  • Gezielte Angebote für ältere Frauen schaffen

 

Ansprechpartnerinnen und Unterstützungsangebote sind:

 

Beratung für ältere Frauen und Schulungen für Fachkräfte vor Ort

Vor Ort:

AWO Anlaufstelle gegen sexuelle Gewalt, Dinslaken; Anja Krebs und Antje Peter;  Tel. 02064 - 621 850

 

Spezielle Beratungsangebote in NRW:

  • Wildwasser Bielefeld e.V.: Telefonberatung für Frauen

             in der Sprechzeit Alter und Trauma  mittwochs von 14 - 15 Uhr unter der Telefonnummer 0521 – 5573466

             oder den allgemeinen Telefon-Sprechzeiten : dienstags 11 - 13 Uhr und donnerstags 15 - 17 Uhr

             unter der Telefonnummer 0521 – 175476 stehen Ihnen Gesprächspartnerinnen direkt zur Verfügung.

  • Paula e.V. Beratungsstelle für Frauen ab 60 in Köln

            Telefonische Beratung von Frauen ab 60, Angehörigen und Fachkräften

            Telefonische Beratungszeiten mittwochs von 14 – 16 Uhr und donnerstags von 10 – 12 Uhr

            unter der Telefonnummer: 0221 – 96 67 64 22

 

 

Vertiefung des Themas für Betroffenen, Anghörige und Fachkräfte

www.alterundtrauma.de 

Hier finden Sie weitergehende Informationen, Berichte von Betroffenen, die Möglichkeit online Fragen zu stellen, Schulungsangebote für Fachkräfte, usw.

www.paula-ev-köln.de

Hier finden Sie Infos, Beratungsangebote sowie weiterführende Literatur.

www.bagso.de

Das ist die Homepage der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen.

Diese hat eine Broschüre herausgegeben zum Thema: Wenn die Seele krank ist - PSYCHOTHERAPIE im höheren Lebensalter"

 

Literatur:

Böhmer, Martina - „Erfahrungen sexualisierter Gewalt in der Lebensgeschichte alter Frauen“ - Mabuse Verlag Frankfurt, 2000

Bode, Sabine - „Die vergessene Generation Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen“ - Klett-Cotta Stuttgart, 2004

Baschek, Sigrid; Bethendahl, Herta - „Wo sind meine Schuhe? Was ist ein Trauma und wie bewältigt man es?“ - Ellert & Richter Verlag, 2005

Dörr, Margarete - „Wer die Zeit nicht miterlebt hat… Frauenerfahrungen im Zweiten Weltkrieg und danach“ Band 1 – 3, Campus Verlag, 1998

Dörr, Margarete - „Der Krieg hat uns geprägt Wie Kinder den Zweiten Weltkrieg erlebten” - Band 1 und Band 2, Campus Verlag, 2007

Drinck, Barbara; Gross, Chung-Noh (Hrsg.) - „Erzwungene Prostitution in Kriegs- und Friedenszeiten Sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen” -Kleine Verlag Wissenschaftliche Reihe Band 160, 2006

Sander, Helke -„BeFreier und Befreite“ - 2005 neu aufgelegt, Fischer Taschenbuch Verlag

Udo Baer – „Wo geht’s denn hier  nach Königsberg – wie Kriegstraumata im Alter nachwirken und was dagegen hilft“ – Semnos Verlag
 

Weitere Literaturhinweise auf der Seite http://www.martinaboehmer.de/literaturliste/


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